Wenn nichts anderes mehr hilft

Eine ernsthafte, chronische und somit lang anhaltende Schlafstörung ist ein Fall für den Arzt. Dieser wird in einem intensiven Gespräch versuchen, Ursache und Schweregrad der Schlafstörung zu ergründen und gegebenenfalls eine Untersuchung im Schlaflabor zur weiteren Diagnose anordnen. Ist die Schlafstörung sekundärer Natur, wird man versuchen, vor allen Dingen die Ursache zu therapieren. Begleitend und bei einer primären Schlafstörung kann – wenn andere Maßnahmen gescheitert sind – der Einsatz rezeptpflichtiger Schlafmittel sinnvoll sein.

Barbiturate sind hochwirksame Arzneimittel mit einer langen Halbwertszeit, die schlaferzwingend wirken und ein hohes Suchtpotential aufweisen. Aus diesem Grund und wegen der Gefahr einer tödlichen Überdosierung sind sie als Schlafmittel in Deutschland generell nicht mehr zugelassen.

Benzodiazepine wirken angstlösend, beruhigend und schlafanstoßend. Sie verlängern die Schlafphasen 1–3 und verkürzen die Tiefschlafphase 4. Weil sie nachhaltig in die Schlafarchitektur eingreifen und ein hohes Abhängigkeitsrisiko bergen, dürfen sie in der Regel nicht länger als 4 Wochen hintereinander eingenommen werden.

Nicht-Benzodiazepin-Agonisten – auch als Z-Substanzen bekannt – haben Benzodiazepine mittlerweile als erste Wahl bei gravierenden Schlafproblemen ersetzt. In der Struktur zwar unterschiedlich, ist ihr Wirkprofil jedoch dem der Benzodiazepine vergleichbar. Im Gegensatz zu diesen weisen die Z-Substanzen aber ein etwas geringeres Abhängigkeitspotential auf und verfremden die Schlafphasen nicht so stark.

Das Schlaf-Hormon

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das die Zirbeldrüse – eine winzig kleine Hirnregion – herstellt und abends bei Dunkelwerden ausschüttet. Mitten in der Nacht läuft die Produktion auf Hochtouren. Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass das Hormon eine Schlüsselstellung in der Steuerung unserer inneren Uhr hat. Gerät diese – wie beispielsweise bei einem Langstreckenflug über mehrere Zeitzonen hinweg – aus dem Takt, könnte Melatonin helfen, den Jet-Lag zu überwinden und die innere Uhr auf die äußere Zeit neu einzustellen. Auch wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus durch Schichtarbeit aus dem Takt geraten ist, könnte eine zusätzliche Einnahme von Melatonin den Körper dabei unterstützen, wieder in einen normalen Tagesablauf zu finden.

In Deutschland gibt es derzeit lediglich ein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Schlafstörungen, welches diesen Mechanismus nutzt. Es unterliegt der Verordnung durch den Arzt. Zudem ist zu beachten, dass Melatonin selbst kein Schlafmittel im eigentlichen Sinn ist. Dazu ist es nach Einnahme viel zu kurz im Körper verfügbar. Es hilft lediglich dem Körper, wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel dagegen sind in Deutschland nicht erhältlich, sie sind allerdings in einigen europäischen Ländern und in den USA auf dem Markt. Vor der Einnahme von melatoninhaltigen Präparaten sollten Sie aber auf jeden Fall Ihren Arzt oder Apotheker um Rat fragen, da Melatonin in den körpereigenen Stoffwechsel eingreift und auch nicht frei von möglichen Nebenwirkungen ist.